Das Ritual „Haarwäsche“

Jaja, das Haarewaschen.
Was viele als nötiges Übel betrachten, ist eigentlich ein kleines Riual, da es ein komplexer chemischer Prozess ist.
Ich möchte mit meinem Beitrag hier ein bisschen konkreter drauf eingehen und hoffe, dass der ein oder andere etwas lernen kann.:)

haare-waschen

Beginnen wir mit Thema 1: SORGFALT

Haare waschen ist – ich kann mich nur wiederholen- ungemein wichtig und nicht abzutun mit „ich mach das mal eben schnell“. Klar, es darf schnell gehen. Aber eben nicht immer. Mehr dazu im folgenden Teil.
Ich hoffe, ich kann euch vermitteln, dass ihr damit eines eurer wervollsten Besitztümer schützt und pflegt: eure Kopfhaut (-und damit verbunden: euer Haar). Denn ohne diese gäbe es keine Wallemähnen, keinen ausreichenden Schutz für euer Gehirn auf dem Kopf und kein natürliches Abwehrmittel gegen Umwelteinflüsse (Wärme, Kälte,…).
Sehr diesen Prozess bitte von nun an als essentiell an, achtet auf das, was ihr tut und seid sorgfältig.
Damit schafft ihr die beste Basis für ein langes Haar-Leben und für eure Zufriedenheit. Und für mich.
Jeder Friseur küsst euch die Füße, wenn ihr mit einer optimalen Grundlage zu ihm kommt, denn erst dann kann er frei walten und schalten, ohne auf eventuelle, böse Überraschungen gefasst sein zu müssen.

Thema 2: Kann ich meine Haare auch nur mit Wasser waschen? Muss ich hinterher fönen? Ist das okay,wenn ich mir nach dem Waschen einfach nen Dutt rein mache?
(oder: Fragen, die ich hasse, aber euch trotzdem gern beantworte :D)

1.Antwort: nein. Erstens werden die Haare mittels Wasser bereits geöffnet und wären hinterher (vergleichbar mit einem Ei ohne Schale) total sensibel. Sie gehen unglaublich schnell kaputt.
Sie mögen gut aussehen, was an ihrer Saugfähigkeit liegt, aber sie sind „roh und empfindlich“. D.h. ein einfaches Handtuch-Rubbeln richtet bereits Schäden an. Außerdem werden sie so nicht sauber, sondern fetten aufgrund des Säureschutzmantels der Haut, der in dem Fall schützend reagiert, viel schneller nach.
Ganz problematisch verhält es sich hier übrigens mit Haarspray- wäscht man dieses nicht richitg aus und fönt, glättet oder besucht Solarium oder legt sich in die Sonne, verbrennt das Haar super schnell.
2.Antwort: Müssen nicht, allerdings ist es praktischer, wenn  richtig* und schonend gearbeitet wird.
Da das Haar Wasserstoffbrücken beinhaltet,  die sich beim trocknen neu verformen, ist es nicht schlecht, wenn man ihnen eine Richtung vorgibt. So kann man bereits vor dem Styling bestimmen, wie die Haare die nächste Zeit fallen sollen. Denn: einmal trocken, hält das auch, es sei denn, es kommen physikalische und physische Umstände wie Wärme, Kälte, Zopfhalter und Co dazu, womit wir zu Frage 3 kommen.
3. Antwort: neeeeeein, das ist wirklich nicht okay! Da die nassen Haare (also formbare Wasserstoffbrücken) einfach in eine (meistens sehr unordentliche, damit sehr brechbare)  Position und Form  gebracht werden, können sie sich selbstverständlich nicht natürlich zusammensetzen, aber auch nicht so bleiben, wenn man den Zopf dann öffnet. Meistens wird dann geglättet. Das ist der HAARTOD. Damit bricht man jede Brücke in kleine Stückchen. Auch nicht besonders positiv ist die Tatsache, dass durch solche Aktionen immer Knicke und Bruchstellen bleiben, das heißt „sichtbare Schäden“ entstehen. Und das wollen wir ja nicht, Mädels.

*richtig= mit dem natürlichen Fall des Haares, nicht gegen ihn. Gern auch mit Bürsten, da das Haar direkt gekämmt und geordnet trocknen darf.

Thema 3: Was sind denn eigentlich ‚Einflüsse‘, die auf das Haar einwirken?
Ganz einfach, alles, was das Haar berührt oder umformen kann.
Angefangen beim Haargummi, weiter über unser Kopfkissen (welches aber den geringsten Schaden anrichtet), bis hin zum Wetter (Regen, Wind, Dunst, Hitze, Sonne, Nebel, Trockenheit, …) und Dauerwellpräperate, chemische Glättungen und so weiter.

Thema 4: Was passiert im Haar, während ich wasche?
(Achtung, jetzt wirds chemisch- aber spannend. Ich versuche, das fachchinesisch wegzulassen und alles so zu erklären, dass es verständlich ist.
Ich wollte erst ein Video machen, habe fleißig gedreht, habe dies und das gesagt und geschnitten und hochgeladen; Aber denkste.  Alle waren sie zu groß. Deshalb jetzt schriftlich, vielleicht hol ich das aber nochmal nach und ersetze meinen Text.)
(ich hoffe, dass auch auf dem Handy alles erkennbar ist)

Bild Nr. 1: Das Haar ist mikroskopisch dargestellt.
– Haarplättchen/Schüppchen liegen an (gesundes Haar), ähnlich wie bei einem Tannenzapfen
– pH-Wert der Haut liegt bei 5,5 – das Haar hat den selben pH-Wert
– in der Wurzel liegt negative Ladung vor (-)
– das kleine Bläschen ist die Talgdrüse
– Die kleinen Teilchen in der Wurzel und im Haar sollen Proteine & Pflegestoffe sein, welche haareigen sind und im
gesunden Haar bereits vorhanden sind, da Kopfhaut selbst produziert
– in der Wurzel sind noch die meisten Proteine enthalten, da das Haar in der Spitze kaum noch Ladung besitzt (deshalb ist kurzes Haar meistens dicker und gesünder, langes Haar dagegen benötigt mehr Aufmerksamkeit)

Bild Nr. 2: Das Haar kommt mit Wasser in Berührung
– Wasser hat einen neutralen pH- Wert von 7 (im Ausland ist er teilweise leicht drüber)
(- alles unter 7 ist sauer, alles über 7 ist basisch. Base ÖFFNET, Säure SCHLIEßT das Haar)
– Haar (5,5) wird mit Wasserkontakt sofort geöffnet, Schuppen spreizen sich etwas ab
– es ist bereit, etwas einzulagern und deutlich ungeschützter, als es geschlossen war

Bild Nr. 3: das Haar wird shampooniert
– wichtig: das Haar wird 2 mal gewaschen
– Shampoo hat einen ph-Wert von 8-8,5
– bei Berührung mit Shampoo öffnet sich das Haar noch weiter
– bei der ersten Wäsche wird das Haar mild gereinigt und umsichtig gereinigt,
– bei der zweiten Haarwäsche lagern sich erste Pfelegestoffe ein (bei Shampoo nicht sonderlich viele, es dient

eher dem Zweck der Sauberkeit)


 Bild Nr 4: nachdem Ausspülen des Shampoos muss das Haar vorsichtig angetrocknet werden
(am besten mit dem Handtuch einschlagen und tupfen)
– Conditioner wird verwendet (ob in Cremeform zum Ausspülen, Sprühform zum Ausspülen, Schaum
zum Ausspülen oder all diese Varianten als Leave-in- Produkt, welches im Haar verbleibt)
– Conditioner („Spülung“) hat einen ph-Wert von 2,0-3,0
– Conditioner lagert kaum Proteine & Pflegestoffe ein,  es schließt das Haar und damit die neu gewonnenen
Stoffe ein
– Schüppchen legen sich an
– Haar ist jetzt bis zur nächsten Haarwäsche geschützt

Bild Nr 5: aller 4 Wochen wird eine Kur verwendet
– nachdem mit Shampoo geöffnet & vorgelagert wurde, kommt jetzt der Protein & Pfl-St-Booster
– Haar muss vorher wieder leicht angetrocknet werden
– Stoffe lagern sich in einer Zeit von mind. 25 min ein, arbeiten sich bis hoch in die Spitzen, füllen das Haar fast komplett auf.
– Haar danach wieder ausspülen, antrocknen, Conditioner verwenden

 Bild Nr. 6: Vergleich zwischen den verschiedenen Molekül-Größen der Pflegestoffe
Silikon ist sehr groß, super klebrig und hafet am Haar und der Kopfhaut. Es ist nicht wasserlöslich und
bleibt einfach daran hängen, da es viel zu unförmig und riesig ist, um durch die Schuppen zu schlüpfen.
Warum merkt niemand, dass auf dem Kopf etwas falsches vorgeht?
Man kann, mit viel Übung, fühlen, wer Silikon-behaftete Haare und Haut hat.
Dumm sind die Hersteller natürlich nicht. Das Ganze funktioniert folgendermaßen:
Silikon verhält sich wie eine Klarsichtfolie: es glänz, es ist durchsichtig, es legt sich um das eizelne Haar.
Bei der Benutzung eines neuen Drogerie-Shampoos könnte man denken: Wow, wie hübsch das alles glänzt!-
Und schon ist man begeistert, benutzt es weiter und wird recht schnell einen Abfall bemerken.
Folie glänzt ja auch hübsch. Aber man kommt nunmal an das Haar nicht mehr heran, sondern berührt jedes
mal nur die Hülle.
Bei der nächsten Haarwäsche legt sich ein neues Silikon über das alte, was sich bei jeder Wäsche wiederholt.
Das Haar fühlt sich etwas dicker an (was meistens zu Jubel bei den Benutzer führt, aber dauerhaft super
schlecht ist, da die Versorgung zur Kopfhaut fast komplett zugeklebt wird und die Kopfhaut nicht auf natürliche Weise alte Haut loswerden kann, außerdem wird der Säureschutzmantel der Haut dauerhaft
gereizt, es kann zu Entzündungen, Schuppen, ja sogar zum Pilz kommen. Wenn man mit dem Fingernagel
einmal über die KH kratzt, hat man schnell eine seltsam riechende Schicht darunter. Dann ist es höchste Zeit,
den Friseur aufzusuchen!), verliert aber nach und nach an Glanz.
Kennt ihr das? Man legt viele Klarsichthüllen übereinander und sie werden eher milchig und undurchsichtig?
Bingo!
Das Haar unter der Schicht verkümmert nach und nach und bildet sich zurück.
Die Kopfhaut wird arg in Mitleidenschaft gezogen.
Nach außen hin bekommt man als Käufer höchstens mit, dass das Haar wegbricht, ausfällt,
Geheimratsecken oder Glatzenbildung voranschreiten.
Außerdem fitzt das Haar deutlich schneller, da die Beschaffenheit (siehe Bild) dazu einlädt, sich ineinander
zu verhaken. Elektrisch werden die Haare auch schnell.
Das muss alles nicht sein.
Der Friseur, der weiß, was er tut, reinigt mit Tiefenreinigungsshampoo das Haar so weit, dass alles an Silikon verschwunden ist, was vorher noch beharrlich festhing. Bitte nicht selbst versuchen. Der Punkt ist schwer zu erkennen und danach wirds tricky. Außerdem kann überstrapazierter Gebrauch die Haarschichten abbauen.
Danach sollte dringend mit Friseurprodukten weitergemacht werden. Ich kanns nur empfehlen!

– Pflanzenprodukte finde ich von der Idee her ja ganz nett, aber mehr eben auch nicht.
Da bereits das Waschen ein chemischer Prozess ist, und chemisch nunmal nicht immer gleich „schlimm“ oder
„schädigend“ bedeutet, funktioniert auch ein natürlich hergestelltes, deshalb riesengroßes und „nicht-in-der-
Lage-sein-in-das-Haar-einzudringen-Molekül“ nicht. Es fällt allerdings einfach wieder ab und spült sich weg.
Hinterlässt überhaupt keine Schäden, aber eben auch keine Besserung oder Wirkung.
Durch die fehlenden Pflegestoffe beginnt das Haar allerdings recht bald, sich elektrisch aufzuladen und sehr
platt zu sein.

– Friseurmolekül ist das kleinste von allen, dringt problemlos in die Lücken zwischen den Schuppen ein und
ist wasserlöslich. Hier gibt es keine Nachteile.

Bei Fragen gern anschreiben.:)
Ich hoffe sehr, es hat den ein oder anderen interessiert und vielleicht sogar überzeugt, sich von der Drogerie
zu lösen.

Zusammenfassung des Waschplans

(am besten abschreiben und ins Bad hängen)
 
mein Shampoo (l.), Kur (m.), Conditioner in 2 Formen (r.)
 
von links nach rechts:
– die Haare werden mit Wasser ausgespült, bis jedes nass ist
– es wird eine Haselnussgröße Shampoo in die Hand gegeben, welches dann auf der Kopfhaut einshampooniert wird (kaum Schaum)
– es wird ausgespült
– wieder eine Haselnussgröße Shampoo auf die Kopfhaut verteilen, diesmal schäumt es und pflegt. Längen und Spitzen behutsam mit dem Schaum einreiben
– Haare ausspülen
– Haare antrocknen (vorsichtig!)
– ALLER 4 WOCHEN: 1/2 Esslöffel (ja, wegen der Hygiene mit Löffel) Kur auf die Handfläche geben
– Längen und Spitzen komplett bearbeiten
–  25 min Einwirkzeit
– ausspülen
– IMMER:  Conditioner Cremeform: in Haselnussgröße auf die Hand geben, in Längen und Spitzen einarbeiten, 3 min EWZ, ausspülen (wenn es keiner ist, der drin bleiben muss)
 Conditioner Sprühform: (nur ausspülen wenns drauf steht) in die Handflächen sprühen (3-4 mal pumpen) , in Längen und Spitzen verteilen
– danach fönen und wie gewohnt stylen
 
Thema 4: Der Vergleich zwischen Drogerie- und Friseurprodukt
Das wahrscheinlich interessanteste Thema.
 Dafür habe ich euch für den direkten Vergleich ein sehr vereinfachtes, zusammenfassendes Bild gemacht.
 Man stelle sich vor, diese beiden Rechtecke seien Shampooflaschen/Conditioner/Kur, was auch immer.
Wie man unschwer erkennt, ist der Hauptunterschied einerseits die Menge an Pflege-, andererseits die an Füllstoffen.
Füllstoffe sind zumeist sehr Paraffin-lastig, Silikon-haltig (oder verwandte, meistens noch klebrigere Mittelchen, die man nicht mehr heruntergewaschen bekommt).
Man muss ehrlicherweise dazu sagen, dass auch Silikon im Friseurprodukt (FP) enthalten sind, welches aber im Gegensatz zum Drogerieprodukt(DP)-Sikon viel teurer in der Herstellung,als auch viel aufwendiger produziert ist. Dieses lässt sich nämlich problemlos wieder auswaschen, ist wasserlöslich und kleiner, hinterlässt keine bleibenden Spuren und ist damit dem DP-S. meilenweit vorraus.
Nur, falls ihr mal neugierig seid und die Rückseiten der Flaschen durchlest und euch wundern solltet.
Es ist alles genau so, wie es sein soll.
Der nächste Unterschied ist Preis/Leistung: Das FP ist deutlich teurer, hält aber unglaublich lange, da man so wenig verwendet. Ich persönlich habe meine Shampoos immer cirka ein Jahr. Und die 21Euro, die ich dafür hinblättere, gebe ich äußerst gern aus. Die Leistung überzeugt einfach und ich muss nicht jeden Schnulli extra kaufen, um mein Haar „schön aussehen zu lassen“. Es ist schön. Trotz zig Farbbehandlungen und Blondierungen.
Das DP kostet (dem Anschein nach) weniger in der Anschaffung. Der Preis  lockt, ist attraktiv, wirkt bezahlbar. Ich habe allerdings einmal meine Kunden befragt, wie oft sie ein solches einkaufen gehen.
Ein mal im Monat. Schon wirken die 5 Euro gar nicht mehr so günstig, rechnet man sie auf ein Jahr hoch.
50 Euro für ein Produkt, dass nichts bringt, außer das Haar zu belasten.
Dazu kommt, dass es aufgrund mangelnder Zufriedenheit meistens nicht bei einem Produkt bleibt, sondern ständig getestet und probiert wird, damit das Haar endlich das macht, was man sich von ihm wünscht.
Dabei könnte es so einfach sein…
Der Preis setzt sich übrigens auch sehr interessant zusammen.
Je mehr Werbung ein DP macht, desto teurer ist es, meistens spielen auch die Verpackungen mit bunten, glänzenden Aufdrucken eine Rolle. Die selbe Firma produziert dann noch günstige Hausmarken und keiner merkt den „Beschiss“. Wir bezahlen also Kommerz und Trubel um ein sinnloses, ja sogar schädigendes Produkt.
Schonmal Werbung für Friseurprodukte gesehen? Nein?
Brauchen die auch nicht. Der Kunde soll die Inhaltsstoffe zahlen, nicht den Hype drumherum.
(Kérastase hat zum 50. Geburtstag eine einzige Werbung rausgehauen, welche aber am Preis nichts geändert hat. Die sind so cool.)
Unterschied Haltbarkeit: während ein DP nach 1 Monat geruchlos ( oder sogar unangenehm riechend) wird, seine Fähigkeit zu schäumen  nachlässt,
kann man ein FP bis zu 3 Jahren (bei geschlossenem Deckel und normaler Raumtemperatur und natürlich ohne Bakterienbefall) sorglos verwenden. Erst dann lässt der Geruch nach und dann, nach und nach, auch die Wirksamkeit. Diese Eigenschaft ist bei Kur sehr wichtig.
Meine habe ich übrigens seit 2 Jahren.
Ich hoffe, ich konnte einen kleinen AHA-Effekt erziehlen 🙂
Eure Laura
Foto-Quelle: https://static.barcoo.com/images/articles/production/0600/3955/1438788118_haare-waschen-shampoo___esp2k-fotolia.com_42898474_s_high.jpg