Erwachsen sein…

Ich habe mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Was bedeutet „erwachsen sein“?

Ab wann ist man denn wirklich erwachsen?
Wie stellt man sich als Kind einen erwachsenen Menschen vor?

Zuerst möchte ich Euch meine Meinung ein wenig näher bringen, um dann auf Eure einzugehen.

Ich habe bei Facebook einen Aufruf gestartet, mir diese Fragen zu beantworten und war überwältigt von der Resonanz.  Knapp 70 Nachrichten ereilten mich. Tausend Dank dafür!

Natürlich kann ich nicht jeden einzelnen Text hier verwenden, aber geholfen haben sie mir alle.

Erwachsen. So ein großes Wort.

Wird man jenem Ausdruck jemals gerecht?

Ich sehe das aus verschiedenen Blickwinkeln.

Man trägt eine Bürde, unendlich viel Verantwortung: für sich selbst, für sein ganzes Leben und irgendwann auch für andere.

Andererseits ist einfach alles erlaubt, das nicht gerade gegen die Grundgesetze verstößt.

Erwachsen sein bedeutet für mich also einerseits zum Beispiel Alkohol trinken zu dürfen, Spaß zu haben, aber andererseits komplett und eigenständig die Haftung für alles übernehmen zu müssen, was ich angestellt habe.

Kein Erziehungsberechtigter wird neben dir stehen und genau aufpassen, wie viel und was du trinkst. Du bist dein eigener Herr.

Deines eigenen Glückes Schmied.

Der freie Gestalter deines Lebens.

Dieses Pflichtgefühl gegenüber sich selbst sollte man verinnerlichen. Denn das ist es, was erwachsen sein in meinen Augen bedeutet.

Früher war ich der Überzeugung, dass man mit der eintretenden völligen Rechtsfähigkeit und Haftungspflicht (also mit 18 Jahren) ein ausgewachsener Mensch ist; in die Gesellschaft als „komplette, fertige“ Person aufgenommen wird.

Mit etwa 15 wurde mir recht schnell bewusst, dass ich in drei Jahren noch lange nicht vollständig fertig sein konnte.

Meine Vorstellung dieses Prozesses verschob sich also auf die Mittzwanziger.

Nun bin ich 22 und fühle mich zwar erwachsener als mit 15 oder 18, aber längst nicht so erwachsen, wie es beispielsweise meine Eltern sind.

Meine aktuelle Vision liegt jetzt bei 30.

Bis dahin möchte ich geheiratet haben, ein Kind versorgen und ein Unternehmen leiten.

Da das alles Punkte sind, die ich auf meiner „was möchte ich im Leben erreichen“-Liste abhaken möchte, schätze ich, dass mein Auftreten nach der Erfüllung dieser Wünsche deutlich reifer sein wird. Mein Hund hat mich reifen lassen, wie sehr wird ein Kind mich verändern?

Als ich selbst noch klein war, stellte ich mir erwachsene groß und ernst vor.

Meine Eltern waren oft völlig gestresst von der vielen Arbeit, also nahm ich dies als „nötig“ wahr, wenn man groß ist. Man musste einfach hektisch durch die Gegend laufen, Sich ab und zu erschöpft übers Gesicht wischen, durchatmen, vielleicht kurz fluchen, weiter am Computer rumtippen oder Anrufe tätigen. Früh aufstehen, spät heimkommen, nach „Firma“ riechen (Das ist ein Geruch, der mir wirklich detailliert in Erinnerung geblieben ist.  Die Lüftung der damaligen Copmputer hatte so einen technischen Eigengeruch, der sich schnell in Haar und Haut und vor allem Kleidung festsetzte).

Ich machte immer einen Unterschied zwischen den „Freizeit“-Erwachsenen und den „Arbeits“-Erwachsenen.

Papa war der typische Typ B.

So gut wie immer im Anzug, unzählige Krawatten im Schrank und hunderte, völlig identisch aussehende schwarze Schuhe im Regal, deren Absätze wichtig klangen, wenn er sich näherte. Er hatte immer wenig Zeit und jeder kannte ihn. Zu ihm habe ich aufgeblickt und tue dies bis heute.

Der Typ Freizeit beschrieb eher meine Großeltern, die viel mehr Zeit und Ruhe ausstrahlten, lockerer gekleidet waren, wenn auch immer ordentlich.

Sie verkörperten dieses Gefühl, dass man getrost Kind sein durfte, naschen und spielen konnte, so viel man wollte.

Mit ihnen tollten wir Kinder im Garten herum und bekamen immer unser Lieblingsessen.

Ich hatte eine genaue Vorstellung von mir selbst, so mit etwa 36 Jahren.Ich stellte mir vor, ich wäre eine schlanke , mittelgroße Frau mit schulterlangem, dunkelbraunen Bob und Business-Make-up, hellem Blazer und schwarzem Kleid, tollen hohen Schuhen und Diamantenohrringen, stolz und erfolgreich. Ich bin  gespannt, ob ich diese Vorstellung jemals bedienen kann.

Ich beneidete meine Mutter immer um ihr Make-up und die Absatzschuhe.

Ich nahm mir fest vor, das alles, sobald ich durfte, extrem auszuleben.

Und ja, diesen Traum habe ich mir erfüllt. Ich besitze einen großen Schrank und einen Keller voller Schuhe, darunter sicher 50 % mit hohem Absatz.

Das Thema Make-up habe ich letztendlich sogar in meine Ausbildung einbauen dürfen und dort mit Auszeichnung abgeschlossen. Warum also nicht auch den anderen Wunsch erfüllen?

Doch trotz möglichem Erfolg und einer Traum-Karriere hoffe ich sehr, dass ich nie die Verbindung zu meinem inneren Kind verlieren werde.

So kann ich mir meine Fantasie und meinen Charakter wahren. 🙂

 

Nun zu euren genialen Ansichten.

Ich werde nur Anfangsbuchstaben benutzen, um die Anonymität aller zu wahren.

H.: „Erwachsen sein heißt für mich sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Man muss selber die Konsequenzen ertragen für eventuelle Fehlentscheidungen aber genauso erntet man auch selber den Erfolg für die richtigen Entscheidungen. Niemand nimmt einem das mehr ab. Gleichzeitig hat man natürlich auch mehr Freiheiten,man kann sich sein Leben so gestalten wie es einem selber gefällt und wie man selber leben möchte.“

A.: „Eine zeitlang bedeutete Erwachsen-werden für mich Verlust. Verlust der Kindheit, Verlust von Unbeschwertheit und Freiheit. Ich verband es mit Zwängen und Pflichten. Teilweise ist das noch immer so, aber heute habe Ich erkannt, dass man – anders als als Kind Oder Jugendlicher- weitaus mehr Freiheit besitzt. Endlich Kann man Alles verwirklichen, was man sich Wünscht, zumindest theoretisch.

Letztendlich gibt es kein Alter dafür. Manche Sind schon als Kind irgendwo erwachsen, manche werden es nie. Ich persönlich Hoffe, Es nie gänzlich zu werden.

Früher waren Erwachsene für mich alt, riesengroß und dunkle, hektische Gestalten, die einen nie verstehen würden. Warum spielen sie nicht? Warum wollten sie nicht, dass Ich im Winter schon Mein Lieblings-Sommerkleid trug?“

S.:“Als Kind unterteilte ich Erwachsene immer in 2 Kategorien. Erwachsene und alte Erwachsene. Die Erwachsen an sich hatten nie Zeit, und wenn verbrachten sie sie am liebsten unter Ihresgleichen, waren ungeduldig, oft unzufrieden und meist auch recht fordernd uns Kindern gegenüber. Alte Erwachsene waren liebevoll, geduldig, nahmen sich Zeit zum Spielen und Geschichten erzählen, obwohl sie auch Arbeit hatten, lachten oft, bewunderten unsere Bilder und sonstigen Kunswerke und waren selten streng. Und sie machten einen zufriedenen Eindruck. Also wollte ich, wenn ich schon ein Erwachsener werden müsste, lieber einer von den Alten werden. „smile“-Emoticon Prinzipiell fehlt mir die Definition für Erwachsensein. Für manche mag es mit Verantwortung zu tun haben. Aber auch als Kind kann man Verantwortung übernehmen, für jüngere Geschwister oder ein Meerschweinchen. Manche sagen, es bedeutet Selbständigkeit und Selbstversorgung. Das kann man beherrschen und dennoch nebenher völlig unreife Entscheidungen treffen. Das ist es also irgendwie nicht. Vielleicht ist das Erwachsenwerden also ein Prozess. Und doch stellt sich die Frage, wann ist er abgeschlossen? Denn bekanntlich wird man als Greis ja wieder zum Kind. Und manche Kinder sind wie kleine Erwachsene und werden sich ihr Leben lang kaum noch verändern. (Doch das gibt es, ich kenne ein paar davon.) Vielleicht ist es also gar nicht wichtig, ob man je zu den Erwachsenen zählt. Für mich zumindest nicht. Wichtiger ist es doch, dass ich meinem Spiegelbild immer in die Augen schauen kann, ohne den Blick senken zu müssen, wegen der Dinge, die ich vielleicht getan habe. Und genau so wichtig ist es für mich, immer neugierig zu bleiben und auch mal über mich selber lachen zu können. Nicht zu allem eine Meinung haben zu müssen, sondern andern Menschen zuhören können. Sie zu fragen, wie es ihnen geht und die Antwort auch wirklich hören zu wollen. So wird man vielleicht nicht erwachsen. Aber man kommt man trotzdem ganz gut zurecht.“

M.:“Wenn du dein Leben selbstständig führst und nicht nur auf Partys rennst und weißt, was wichtig ist im Leben! Als Erwachsener kann man was man will und keiner kann einem was verbieten….man ist frei und kann sein Leben leben wie man es will und möchte.“

S.:“Du bist erwachsen ab dem Moment wenn du aufhörst zu leben. Termine und Verantwortung dein Leben bestimmen und völlig vergessen hast was der Sinn des Lebens ist. Ich arbeite daran wieder Kind zu sein… genug regeln befolgt und fleißig meine Arbeiten verrichtet. Einen Erwachsenen habe ich mir so vorgestellt: Nicht ganz so freaky wie ich es bin aber die Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrgeiz und Disziplin machen einen alten Sack wie mich halt aus und so stellt man sich einen Erwachsenen vor… Haare fallen ja auch schon aus.“

T.:“Man ist im Leben selbstständig und weiß was man will und möchte im Leben aber erwachsen im Leben ist man nie denn wir sind und bleiben Kinder egal wie alt jemand ist und wir lernen alle noch immer dazu. Erwachsene hab ich mir so vorgestellt, wie meine Eltern. Erwachsen bin ich mit 25 geworden, als ich Vater wurde.“

P.: „“Erwachsen“ ist für mich ein Wort welches absolut nichts beschreibt, da es von jedem anders interpretiert wird und deshalb für eine Kommunikation gänzlich ungeeignet ist. Man kann ausgewachsen sein, da der Körper ein gewisses Maß an Entwicklung erreicht. Hier gibt es also einen klaren Endpunkt. Da aber nach meinem Empfinden „Erwachsen“ eine geistige Reife beschreiben soll, aber der Geist ständig in Entwicklung steht und ich da keinen klaren Endpunkt fest machen kann, ist für mich das Wort völlig sinnlos .
Erwachsene gab es für mich als Knirps nicht. Nur andere Menschen die vermeintlich mehr durften als ich .“

P.:“Erwachsen ist man nie ganz ..klar hat man Frau oder Kinder, Haus oder Auto aber man kann auch alles verlieren also es ist immer eine Frage der Ansicht selbst wenn du auf Party gehst oder viel unterwegs bist heißt du bist erwachsen sonst gibt es ja kein p18 hihi es ist also eine Ansichtssache die von jedem Menschen anders gesehen werden kann ….aber wie gesagt du bist nie vollkommen es gibt immer noch irgendwo dieses kleine Kind in uns ….“

A.:“Als ich so alt war wie Du, da war ich mir immer sicher, dass man mit 30 erwachsen sein würde, dass man sein Leben voll im Griff hätte und alles geplant wäre, dass einem nix passieren könnte. Das war für mich schon fast erschreckend und irgendwie langweilig. Also wenn das die Definition von erwachsen ist, dann möchte ich es nie werden.
Heute (mit über 50) bin ich froh, dass erwachsen sein nichts mit dem zu tun hat. Erwachsen sein für mich bedeutet heute, ein bißchen Lebenserfahrung zu haben, für sein Tun einzustehen, sein Denken und Fühlen auch erklären zu können, und vor allem bedeutet es für mich, sich an seine Jugend erinnern zu können wenn heute ein anderer, junger Mensch über die Stränge schlägt.“

M.:“Erwachsen sein: Verantwortung übernehmen, Rechnungen bezahlen :-,wissen was Liebe bedeutet, nicht mehr viele halbe Freunde zu haben sondern weniger dafür aber echte Freunde, gelernt zu haben das man selbst die schlechten Zeiten nicht missen sollte bzw. Man sollte sie zu schätzen wissen, denn sie formen den Charakter und machen dich zu dem der du mittlerweile bist, sie zeigen dir wer du wirklich bist. Erwachsen sein bedeutet irgendwann rauszufinden wer du sein möchtest und was du willst und erwachsen sein bedeutet auch mal kindisch sein zu dürfen“

Ich bedanke mich noch einmal herzlich bei Euch für die geniale Mitarbeit ❤

Ich bin wirklich begeistert.

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Eure Laura.