Außenwirkung ist ’ne Bitch.

Blond, blaue Augen, immer geschminkt, lange Haare und einen selbstbewussten Gang, vielleicht sogar einen Blick, der sagt: Hallo, Welt. Hier bin ich.

Jetzt macht die auch noch Fotos.

Hier ein Fotoshooting, da ein Fotoshooting. Wie selbstverliebt kann man bitte sein?

Ich möchte wetten, dass ich für meine Umwelt das perfekte Klischee-Püppchen darstelle.

1jpg.jpgIch weiß, dass es genügend Menschen gibt, die mich auf den Tod nicht ausstehen können, einfach, weil ich existiere.

Ich bewege mich wohl zu selbstsicher, ich lächle wohl zu arrogant und mein Make-up und Kleidungsstil geht ja wohl mal gar nicht.

Dann wiederrum gibt es Menschen, die mir Komplimente machen, obwohl sie mich nicht kennen. Auch sie reduzieren mich auf mein Äußeres; auf das, was ich im Internet oder auf Veranstaltungen von mir preis geben möchte.

Das darf man nicht vergessen.

Ihr lernt mich nicht durch Fotos kennen, nicht durch Geschichten anderer.

Nicht durch meinen Blog und auch meine Kunden kennen mich größtenteils nur recht übersichtlich.

Natürlich könnt ihr euch ein Bild machen und eine Meinung erlauben

Wie zutreffend das Ganze dann tatsächlich ist, wissen nur ich und meine engsten Freunde  und die Familie.

Ich versuche mir das selbst immer ins Gedächtnis zu rufen, wenn ich mich dabei ertappe, andere Menschen nach ihrem Äußeren zu beurteilen.

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Da ich desöfteren hörte, wie arrogant und tussig ich auf den ersten Blick wirken muss, habe ich irgendwann angefangen, selbstreflektierend darüber nachzudenken, ob diese „Anschuldigungen“ denn zuträfen.

Ich musste festellen: es stimmt.

Wobei ich kurz einwerfen muss, dass das nicht komplett zutrifft.

Ich musste im Salon im zarten Alter von 15 Jahren lernen, selbstbewusst zu sein.

Du musst stark sein, um Kritik ertragen zu können, du musst Stress weglächeln, du musst deine privaten Problemchen hinter einer perfekten Maske verstecken.

Du stehst auf der Bühne.

Du und deine Kollegen- ihr seit die Schauspieler!

Das Publikum – in Form der Kundschaft- will entertaint werden.

Ich gewöhnte mir also diesen undurchdringlichen „Niemand kann mit etwas anhaben und ich bin super in meinem Job“-Blick an.

Meine Art der Bewegung wurde viel zielstrebiger und nicht mehr so zittrig, unsicher und verpeilt, wie sie es früher einmal war.

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Privat- das können meine Freunde bezeugen- bin ich oft eher schüchtern und dusselig.

Ich hasse es zum Beispiel, beim Essenslieferanten anzurufen.

Mir ist das so unglaublich peinlich. Ich verhaue dann immer irgendetwas.

Bestes Beispiel: Mir fällt mein Name nicht mehr ein.

Die Dusseligkeit zu verstecken ist allerdings noch um einiges schwerer.

Jede Schwelle ist meine. Ich habe ständig blaue Flecken, Schrammen und Beulen, weil ich witklich überall anecke.

In der Öffentlichkeit schalte ich dann auf „Show“-Modus und gebe mir riesige Mühe.

Ihr seht also, ich bin längst nicht so selbstbewusst, wie ich vielleicht rüberkomme

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Ganz oft bekomme ich Nachrichten, in denen ich übel beleidigt werde, weil ich nicht antworte.

Um mich gleich hier zu entschuldigen: ich kann einfach nicht allen antworten, es sind wirklich zu viele.  Ich freue mich, wenn jemand meinen Blog lobt oder meine Fotos schön findet, aber viele „Hi“s gehen leider unter.

Bin ich deshalb gleich abgehoben und selbstverliebt, wie dann als Reaktion auf meine „Ignoranz“  gekontert wird ?

Ich selbst behaupte: nein. Man kann nicht immer allem gerecht werden.

Warum aber distanziere ich mich so sehr von diesen Vorwürfen, warum ist es mir nicht egal, was andere über mich denken?

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Erstens: es macht unsympathisch. wer möchte schon Kontakt zu einem Menschen, dem Arroganz und Hochmut nachgesagt wird?

Nun könnte man ein gutes Gegenargument bringen: Jede Werbung ist gute Werbung.

Sicher, es ist toll, dass ich gekannt werde. Trotzdem möchte ich nicht die eingebildete Barbie sein, für die ich oft gehalten werde.

Zweitens: Ich war früher alles andere als hübsch.

Moppelig, unförmig, nicht besonders zurechtgemacht…

Ich fühlte mich damals wohl, bis mir mein damaliges  Umfeld unmissverständlich klarmachte: du bist dick, du bist hässlich.

Ich war anfangs sehr stolz auf mich, dass ich abgenommen habe, dass ich etwas aus mir gemacht habe.

Doch ich musste feststellen: das kommt nicht gut rüber. Die Leute verstehen mich nicht. Sie kennen meine Geschichte nicht.

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Dass viel mehr in mir steckt, als nur das blonde Püppchen, ahnen die wenigsten.

Dass ich zum Beispiel ein unheimlicher Natur-Freak bin, Tiere über alles liebe und ein Fable für alte Menschen habe, sieht man mir nicht an.

Dass meine Familie mir alles bedeutet und ich jedem meiner Freunde immer zuhöre, wenn sie mich brauchen, denkt man vielleicht nicht auf den ersten Blick.

Dass ich mich gut ausdrücken kann, meine große Liebe die deutsche Rechtschreibung und Grammatik ist, ich gern lese und singe, würden die meisten sicher nicht bei einem  Friseur-Mäuschen vermuten.

Das und vieles mehr macht mich aus.

Nicht das Aussehen. Nicht die Fotos. Nicht mein Ruf.

Die Message des Ganzen?

Außenwirkung ist ne Bitch!

Sie sagt nichts über den Menschen und seinen Charakter aus, sie verleitet uns nur, Vorurteile zu bilden.

Mein Hund ist mein Vorbild: Scheißegal, wie der Mensch aussieht; ist er lieb zu mir, bin ich sein Freund. Ist er böse, meide ich ihn.

Sollten wir Menschlein uns ein Beispiel dran nehmen.

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Eure Laura 🙂

Bilder made by Maik Tratz