Dinge, die Friseure hassen

Hassen ist natürlich etwas übertieben ausgedrückt, wir Haar-Artisten lieben unsere Kunden und sind dankbar für alles, was sie uns geben und mit sich machen lassen.

Nun gibt es aber immer wiederkehrende kleine Vorkommnisse, die uns das Arbeiten erschweren und uns wirklich zum Verzweifeln bringen.

Vielleicht entdeckt ihr die ein oder andere Angewohnheit, die euch bekannt vorkommt.

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Es beginnt bei der Beratung:

Wir fragen nach, inspirieren gern und geben Tips und Anregungen, so gut wir können.

Meistens weiß der Verbraucher (unser verehrter Kunde) aber selbst gar nicht, was er sich wünscht.

Somit sendet er falsche oder lückenhafte Signale, die wir dann ernst nehmen und umsetzen.

Hinterher ist dann die Farbe oder der Schnitt nicht einhundertprozentig das, was es hätte werden können, wenn der Kunde oder die Kundin sich wirklich damit auseinander gesetzt hätte.

Deshalb – um eurer selbst willen- entscheidet euch vorher für eine Idee und teilt sie uns genau so mit.

Wir können nicht in eure Köpfe sehen, sondern nur mit ihnen arbeiten.

Es ist einfach unbefriedigend zu wissen, dass ihr nicht glücklich seid.

Und am Ende macht doch genau das einen tollen Friseurbesuch aus, oder?:)

Missverständnisse:

Ein Beispiel aus meinem Friseur-Alltag: Die Dame wünschte sich „goldenes“ Haar.

Soweit sollte das kein Problem sein, ich besprach mit ihr die verschiedenen Varianten, sie war sich sehr sicher, wollte nur die Farbkarte und keine weiteren Informationen sehen und haben, also mischte ich ihr den entsprechenden Ton an und machte mich ans Werk.

Ich entschied mich für einen sehr natürlichen Goldakzent, den sie mir zuvor mit folgenden Worten beschrieb:

„In der Sonne soll es goldig schimmern, aber nicht zu warm sein, da ich sonst immer so rot im Gesicht aussehe.Außerdem darf es nicht zu auffällig sein, ich arbeite in einem seriösen Unternehmen, die sehen das nicht gern.“

Hier einmal die Farbe, die ich wählte.

Das ist ein lichtblond – natur- gold, welches im Licht den gewünschten Effekt bringt.

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 Als ich sie fönte (und feststellte, dass sie nun meiner Haarbürste farblich sehr ähnelte, die eindeutig golden ist), bemerkte ich ihre Stimmung kippen.

Ich fragte immer wieder nach, wollte den Grund herausfinden.

„Das ist nicht golden“, sagte sie. „Das ist grau.“

Nun hatten wir ein Problem. Ich zog eine Kollegin zu Rate, die so eben zum Schichtbeginn erschien.

Auch sie empfand die Farbe sowohl als passend, als auch gülden.

Als meine dritte Kollegin den Raum betrat, ging das Theater los:

„Das ist gold! Das wollte ich!“ schrie meine Kundin und zeigte mit dem Finger auf sie.

Nun muss ich euch zeigen, wie diese die Haare trug.

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Das ist ein hellblond – gold -rot.

Zu deutsch: kupfer.

Wir konnten das ganze nicht klären, sie wollte gehen und keine zweite Behandlung erhalten.

Für mich war das ganze wirklich schlimm, weil ich mein Bestes gegeben hatte.

Die Moral von der Geschicht: Täusche dich bei Farben nicht!

Wie das geht?

Bringt Bilder mit, nehmt die Strähnen der Farbkarte zwischen die Finger und misstraut dem weißem Hintergrund, zeigt auf Kunden oder Friseure, die eure Idee bereits umgesetzt haben, damit der Friseur weiß, was genau gemeint ist und auch ihr die Sicherheit habt, euer Ergebnis zu erhalten.

Das nächste Beispiel:

Eine ehemalige Kollegin bediente eine ältere Dame, Ende 70.

Diese hatte ein klares Ziel: „Einen Bubikopf, bitte.“

Meine junge Kollegin musste erst einmal googlen, welche Frisur ihre Kundin da wünschte.

Für euch zur Erklärung: „Bubikopf“ ist eine generationenbezogene Bezichnung dieses Schnittes:

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Diesen kann man noch abwandeln, die Länge ist aber in der Regel wie jene auf dem Bild.

Nun nahm der Schnitt irgendwann Gestalt an, welcher nun wirklich nicht der leichteste ist.

Meine Kollegin zeigte stolz den Spiegel, die Dame setzte ihre Sehhilfe auf und bekam einen riesigen Schreck.

Im Endeffekt war es nicht der „Bubi-Kopf„, den sie sich vorgestellt hatte, sondern ein Bob, schulterlang.

Die beiden hatten nicht weiter über die Gestaltung der Frisur gesprochen, da mit dem Bild aus dem Internet für die Friseurin kein Zweifel für  der Umsetzung bestand.

Auch hier wieder mein Rat: Bringt Vorlagen mit oder zeigt mit den Fingern Längenpunkte an, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, wie in meinem Beispiel.

In die Haare greifen:

Wir lieben es, wenn ihr euch glücklich ins Haar greift, es schüttelt und ihr spüren könnt, wie viel wir aufegbaut und gepflegt haben.

Ihr sollt auch genau das tun- aber bitte erst auf Anweisung.

Während wir Farbe auftragen,  Schneiden, Fönen oder Stylen sind eure Finger in der Mähne tabu!

Ganz oft liegt es daran, dass der Kunde mittendrin seine Frisur richten möchte, was aber gar nicht nötig- und vor allem: sehr behindernd ist.

Ihr schmiert euch die Finger voll, riskiert ungenaue Schnitte oder ein wenig haltbares Ergebnis beim Fönen und Stylen.

Beispiel: wenn ihr in eine frisch geformte Locke greift, die noch nicht vollkommen ausgekühlt ist, lösen sich die gerade eben erst verketteten Wasserstoffbrücken  und sie fromen sich weniger straff neu.

Somit wird die Frisur ihre Haltbarkeit verlieren, da eine Locke auf der anderen aufbaut. Außerdem sieht es doof aus, wenn nur einige Strähnen perfekt sind und der Rest schlaff herunterbaumelt.

Wartet also, bis wir den berühmten Satz „Fühlen Sie mal selbst“ sagen.:)

Beim Schneiden die Kopfposition verändern:

Immer wieder beobachte ich, dass meine Kunden beim Schneiden die seltsamsten Positionen einnehmen.

Oft tun sie dies sogar, um mir zu helfen.

Da sitzt ein erwachsener Mann gern mal komplett schief und krumm auf meinem Stuhl und senkt sein Haupt, damit ich den seitlichen Nacken bearbeiten kann.

Tipp für euch: Wir sagen schon, wenn ihr etwas verändern sollt.:)

Alles andere gefährdet die Genauigkeit des Schnittes, da wir davon ausgehen, dass ihr euren Kopf natürlich ausbalanciert und damit relativ gerade haltet.

Außerdem gefährdet ihr Nackenstarre, meine lieben Verrenker – und ich auch, ich muss mich ja anpassen!

Zappelkinder:

Ich liebe meine Kinder. Das vorweg.

Sie sind meine Zukunft und ich habe jedes einzelne wirklich gern zum Schneiden da.

Allerdings gibt es immer wieder die, die  extrem aufgeputscht zum Friseur kommen und nicht eine Minute still halten.

Das macht den Prozess langwierig und super schwierig.

Natürlich sind es nicht  nur Kinder, die nicht ruhig sind.

Ihr riskiert damit Verletzungen, die sowohl den Friseur, als auch euch (besonders am Ohrbereich) betreffen.

Versucht also eure Kleinen  ein wenig zu beruhigen, versprecht ihnen eine Belohnung, wenn sie alles ohne wackeln über sich ergehen lassen und wenn ihr selbst ein Zappelphillip seid: versucht, diese Marotte einzudämmen, denn umso schneller ist es vorbei.:)

Drogerieprodukte:

Auf die Frage nach den genutzten Pflegemitteln bekommen wir so oft die verhasste Antwort „Ich nehme ein ganz normales Shampoo. Marke XY. Sonst bekomme ich Schuppen/fettiges Haar/Fitze.“

Das ist natürlich Blödsinn.

Normal sind diese Shampoos ganz und gar nicht.

Ich habe darüber schon viel geschrieben, wenn ihr also neue Leser seid, schaut bitte mal den Blogpost Das Ritual “Haarwäsche” an, dann wisst ihr, weshalb Friseure immer das kalte Gruseln bekommen, wenn sie dies hören.

Die stillen Hater:

Was  lustig formuliert scheint, ist in Wahrheit ein riesiges Problem.

Der Kunde nickt das Ergebnis ab, heuchelt Begeisterung und ist in Wahrheit super unzufrieden.

Wer empathisch ist, fühlt und bemerkt dies natürlich.

Mehr als Fragen ist natürlich nicht möglich.

Wenn dann, also nach dem Friseurbesuch, überall erzählt wird, wie schlecht der Wunsch umgesetzt wurde, fällt das natürlich komplett auf den Friseur zurück.

Gerade Kritik macht schnell die Runde.

Sagt dem Friseur bitte, wenn euch etwas nicht passt und lasst es verbessern oder arbeitet gemeinsam einen Plan aus, der zur Verbesserung der Lage führt.

Ehrlichkeit währt nunmal am längsten, auch wenn es eurem Gegnüber erstmal nicht schmeckt.

Schon mal ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle.<3

Die Heimwerker:

Jaja, wer kennt das nicht?

Hier und da mal selbst „geschnippelt“, gefärbt oder sogar bei anderen gebastelt.

Oft enden diese Versuche beim Friseur mit der Bitte, dieses Werk zu retten.

Manchmal frage ich mich: wie stellt ihr euch das vor?

Ihr säbelt euch den gesamten Pony weg und wünscht euch von mir, dass ich ihn wieder „dranschneide„?:D

Ja, gerade grinse ich ein wenig hämisch meinen Laptop an.

Wisst ihr wie schwer das ist, in solchen Momenten nicht zu lachen?

Und das nicht mit bösen Hintergedanken, sondern weil es nunmal einfach lustig ist, wenn jemand mit der Bastelschere lustige kleine Treppchen in sein Haar geschnitten hat.

Professionell bleiben ist dabei natürlich weiterhin das A und O.

Bin ich auch. Ich lache innerlich.

Nun ist es nicht so, dass man rein gar nichts verbessern könnte.

Aber ich  rate euch von Selbstexperimenten ab.

All zu oft gehen jene Versuche schief.

Die Beim-Waschen-den-Kopf-Anheber:

Jeder Friseur hat mindestenes einen Kunden, der es jedes mal schafft, komplett nass zu werden.

Woran das liegt? ganz einfach:

Der Kopf wird beim Waschen fleißig angehoben, gedreht und geneigt, bis der ganze Rücken feucht ist.

Natürlich ist der Friseur schuld.

Aber wie zur Hölle sollen wir das machen?:D

Es ist schon fast wieder amüsant, wäre das nicht immer eine riesige Schweinerei und Arbeit hinterher.

Bitte, meine Lieben, haltet still. 🙂

Die Mufflons

Kunden, die nicht duschen (und ich rede  nicht von einem Tag), frisch verschwitzt vom Sport kommen oder vor dem Beusch beim Friseur eine geruchsintensive Tätigkeit ausgeführt haben  sind besonders unangenehm.

Ich weiß nicht, ob diese das selbst nicht merken, ich rieche das auf jeden Fall!

Wenn du dann also schon durch Shampoos und Haarspray ein empfindliches Näschen hat und dann noch ein Mensch vor dir sitzt, mit dem du durch deine Arbeit eine Menge Körperkontakt hast, ist das mehr als ärgerlich.

Ob nun die Haare extrem fettig sind und vor sich hin müffeln, oder auch der Restkörper ungepflegt erscheint oder einfaxch extrem ausdünstet- das anfassen gestaltet sich schwierig.

Ist nicht schön, wenn sich die Hände plötzlich eingecremt anfühlen, wenn man ein mal durchs Haar oder über das Gesicht fährt.

BITTE: kommt gepflegt und frisch gewaschen zum Friseur und erspart euch und uns diese mehr als unangenehme Erfahrung.

Die Flirter:

Natürlich sind wir nett und freundlich. Wenn auch unsere Kunden höflich sind, kann der Besuch ein schöner Moment für beide Parteien sein.

Anmachen sind allerdings unpassend.

Wir ziehen uns schick an, weil wir etwas präsentieren und gepflegt auftreten müssen.

Das ist keine Einladung zum Anfassen!

Beispiele aus dieser Problem-Reihe:

Ich stehe an der Rezeption, trage Termine ein und bemerke einen jungen Mann, der vor dem Salon wartet.

Irgendwann kommt er rein, lehnt sich lässig über den Tresen und bringt tatsächlich DIESEN Spruch:

„Hey, Kleines. Du siehst aus wie Barbie. Ich seh aus wie Ken. Wir müssen uns einfach daten!“

Nachdem ich verdattert abgelehnt habe, möchte er einen Haarschnitt.

Der resltliche Besuch ist grauenvoll, da er nicht aufhört zu flirten und alle ausgelutschten Sprüche zu bringen, die man sich vorstellen kann. Außerdem verschlingt er mich mit den Augen.

Dieses führte nach dem zweiten Besuch zum Salonverbot.

Ein Metal-Hardcore-Fan ist zum Schneiden da und erzählt mir, wie sehr er Schwule und Lesben verachtet und wie gern er sich prügelt.

Zu der Zeit ist ein offensichtlich schwuler Mitarbeiter im Raum, den ich sehr schätze.

Ich bekomme Angst vor meinem Kunden, weil er wohl auch bei Frauen keinen Halt macht.

Als er geht, entschuldige ich mich bei meinem Kollegen für ihn, plötzlich kommt er wieder und sagt mit bösem Blick: „Morgen. Nach deiner Arbeit. Ich hol dich ab. Wir gehn essen.“

Dann geht er.

Ich bin so verängstigt und überrascht, dass ich kaum ein Nein herauskriege.

Natürlich war ich nicht mit ihm essen.

Ein Stammkunde erzählt mir, dass er (verheiratet) meine Leggins schön findet.

Ich bedanke mich höflich und denke, das Thema ist erledigt.

Nun beginnt er, über meinen Po zu reden, sehr anzüglich und sehr detailliert.

Mir ist das unangenehm ohne Ende und ich versuche, abzulenken. Vergeblich.

Er streichelt mein Bein und wandert mit der Hand zu meinem Alleerwertesten, ich werde laut.

Salonverweis.

Meine Bitte an die Jungs und Mädels, die den Salonbesuch mit einem Speeddating verwechseln: wir sind zum arbeiten dort. Ihr seid die Kunden. Arbeit ist Arbeit, Privat bleibt Privat.

Danke. 🙂

Die Händler:

„Kannst du mir nicht bisschen Abzug geben, paat Prozente oder so? Ich habs gerade nicht so dicke“ ist ein häufig gehörter, jedes mal emttäuschender Satz, den ich am liebsten nie wieder hören würde.

Gegenfrage: Ist unser Können euch das nicht wert?

Dienstleistung wird immer wieder unterschätzt, leider.

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für diesen genialen, liebenswerten, ehrlichen Beruf und vor allem für das, was wir leisten: nämlich das Gefühl schenken können, attraktiv zu sein.

Und das hat nun mal seinen Preis.

Beim Handy geizt doch auch keiner.

Die „So möchte ich aussehen- Aber GENAU SO!“- Kunden

Die wohl schwierigste Behandlung steht hier an.

Es gibt ein Bild -und genau dieses sitzt fest im Kopf der Kundin/des Kunden.

Die Person ist sich sicher: Hinterher sehe ich genau so aus, wie XY auf meiner Vorlage.

Da wir nun weder Ohren anlegen-, noch Gesichter durch plastische Chirurgie verändern dürfen, gelingt dieses Vorhaben nicht.

Auch die Haare geben nicht immer zu einhundert Prozent das her, was ein Internetbild verspricht.

Wir geben unser Bestes, wir beraten, wir klären auf. Und trotzdem sitzt da fest dieser Wunsch nach Klonung. Das ist schade, denn so kommen Friseur und Kunde nie auf einen Nenner.

Ein Tipp noch: Instagram, Facebook, Snapchat – wir leben in der Zeit der digitalen Bearbeitung, der Filter, der Retusche. Nicht jede Farbe ist auch in Wirklichkeit so geworden.

Fragt den Friseur eures Vertrauens, ob dies oder jenes überhaupt möglich ist, dann gibt es auch keine Enttäuschungen. 🙂

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Endlich ist es raus- ich hoffe, ich habe mir keine Feinde gemacht. 😀

Liebste Grüße,

eure Laura ❤

 

 

 BILD-QUELLEN:

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