Party like Gatsby

Wunderschöne Frisuren, rote Lippen und Glitzer-Kleider – das sind die 20iger Jahre!

Warum aber fasziniert viele diese Zeit so sehr?

Und weshalb leben wir in unserer „ach so offenen Gesellschaft“ nicht einfach diesen Jahre zurückliegenden Trend aus?

Weil die Zeiten sich geändert haben.

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Ich liebe alte Filme. Ich liebe auch alte Menschen. Und ich liebe alte Sitten.

Ich stelle mir das so unfassbar schön vor, einfach in eine solche Welt abzutauchen.

Was damals kleidungstechnisch zur Tagesordnung gehörte, wäre heute wohl das übertriebenste Outfit auf jeder Party. Der Kopfschmuck, die Fransen am Kleid, die Boas, die Accessoires- all diese Dinge, die zu jener Zeit getragen wurden, sind nun leider overdressed.

Jede Frau trug Make up- und zwar nicht zu knapp. Warum auch nicht?

Wenn Frau mit ein wenig Hilfe noch schöner sein kann und sich wohlfühlt, sehe ich das nicht als „Mogelpackung“, sondern als i-Tupfer.

Sind wir einmal ehrlich: wie gehen wir heute aus?

Ich beobachte meine Generation ziemlich genau. Am besten enstpannt. Keiner soll denken, dass man sich zu viel Mühe gegeben hat. Man möchte überzeugend rüberbringen, dass man nicht lange vor dem Spiegel stand. Wer sich doch mal etwas mehr herrichtet, sollte damit rechnen, dass über ihn gesprochen wird.

Ich fand die Zeit schön, als man Kleider und Hemden trug, wenn eine Party anstand. Es war etwas besonderes. Kein sinnloser Alkoholkonsum, kein „gesehen und gesehen werden“.

Ein Abend, eine Nacht, in der man sich wohl fühlen durfte, weil man nunmal wirklich gut aussah.

Es ist bei weitem nicht so, dass die Mädels und Jungs, die wirken, als kämen sie gerade von Arbeit oder vom Strand oder sonstwoher, keine Sekunde ihrer Zeit mit einem Gedanken daran verschwendet hätten, wie sie gekleidet und zurechtgemacht sind.

Natürlich gilt das nicht für jeden. Es gibt Menschen, die sind da einfach entspannt und selbstbewusst. Ich bin da, egal, was ich trage. Das kann ich von mir leider nicht behaupten.

Ich liebe es, zu wissen, dass ich an diesem oder jenem Abend mal so richtig schick sein darf. Ich fühle mich im Kleid ganz anders und bewege mich auch dementsprechend.

Ich denke, das macht die 20iger so elegant. Alle waren unfassbar schön und so fühlten sie sich auch. So tanzten sie, so bewegten sie sich, so sprachen sie.

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Und ich bin so begeistert von den Gepflogenheiten.

Hach, was waren das für Männer!

Mit der Etikette vertraut, in der Öffentlichkeit Gentlemen, insgeheim leidenschaftlich und soo schick.

Männer in Anzügen, Blazern, Hemden, glänzenden Schuhen, die beim Laufen klacken, ja, das macht viel her.

Ich würde gern ein Jahr lang so leben. Ich würde gern zum Tanz aufgefordert werden (dazu müsste man natürlich klassisch tanzen können, ich bin eher der typische Disco-Hüft-Schwung-Typ, aber ich nehme mir fest vor, 2017 einen Kurs zu machen). Ich würde gern so ausgelassen und pompös feiern.

Diesen Wunsch haben Hannah, meine liebste Freundin, ein paar Hundert weitere Gatsby-Fans und ich uns erfüllt und wir besuchten das Parkhotel, um dort eine Nacht alles zu sein, aber nicht 2016.

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Es war zwar nicht das, was wir erwartet haben, aber wir fühlten uns wirklich gut.

Leider kam nur in einem Raum die passende Musik, allerdings sehr langsam. Wir warteten vergebens auf die Filmmusik von „The Great Gatsby“, die schon den ganzen Tag bei mir zu Hause lief. Dem Großteil der Menge gefiel diese Feier und wir hatten trotzdem Spaß.

Es wirkte natürlich nicht real. Aber was ist heute noch real?

Real ist in meinen Augen ein dehnbarer Begriff.

Die Liebe meiner Großeltern ist real. Sie fanden jung zueinander und dann hieß es, gemeinsam einen Lebensweg einzuschlagen. Bis heute sind sie wie „Topf auf Deckel“, eine Einheit, man kann sich den einen nicht ohne den anderen vorstellen. Sicher war nicht alles leicht, das war es früher nicht, das wird sich mit den Jahren nicht ändern, aber sie halten an ihrem Versprechen fest. Sie brauchen keine Facebook-Beziehungs-Angaben, um zu wissen, dass sie zusammen gehören. Das ist Liebe. Und in meiner Generation erscheint mir Liebe nicht real, nicht echt. Zu viel Show, zu viele Faktoren, die es zu beachten gilt.

Real ist natürlich auch ein schweres Unglück. Das sind die Momente, in denen man merkt, dass man lebt, wie wertvoll das Leben ist. Man lernt, sich zu spüren und vergisst es so schnell wieder. Ab und zu scheinen Menschen solche schrecklichen realen Ereignisse zu brauchen, um wieder zu sich selbst zu finden. In allen Bereichen.

Und weil wir nur einmal leben, sollten wir die Zeit, die uns gegeben ist, genießen.

Mit Menschen, die uns inspirieren, uns antreiben, uns lieben.

Wir sollten nicht jedem Trend folgen,- uns darf auch mal etwas nicht gefallen. Das, was uns als Persönlichkeit widerspiegelt, ist das Richtige für uns. Betonen, nicht überdecken. Kaschieren, nicht verstecken. Und wenn uns nach einem glamourösen Abend à la Gatsby ist, dann sollten wir auch das ausleben dürfen.

Regeln gibt es schon genug. Beschränkungen können keinen freien Geist schaffen.

Ich bin gerade ganz froh, dass ich meinen schnöden „Wir waren feiern und es war ganz nett„-Text gelöscht habe und einfach mal wieder meine Gedanken niederschreiben konnte.

Wie immer danke ich Euch fürs Lesen, ihr Lieben !

Eure Laura