Augen offen, trotzdem blind

RUNTERSCROLLEN FÜR DIE „HÖRBUCH“-VERSION 🙂

Ich wickle mir die Bettdecke noch ein bisschen enger um den Körper, positioniere den Laptop, nehme noch einen Schluck lauwarmes Ingwer-Wasser und überlege, was ich jetzt eigentlich sagen will.

Es ist nicht so, dass mir nichts einfallen würde. Es ist nur schwer in Worte zu fassen, was mich beschäftigt.  Ich liege seit mittlerweile drei Tagen abwechselnd im Bett und auf dem Sofa. Durch wiederkehrende Fieberschübe konnte ich nicht viel fernsehen oder Hörbuch hören. (Anfangs allerdings schon, was mich zu einer neuen Sucht-Serie führte: „Riverdale„. Wer Gossip Girl verschlungen hat, wird dieses Drama lieben. Danke nochmal an meine Tippgeberin.) Ich hatte also viel Zeit, nachzudenken. Über mich. Über mein Umfeld. Über das Leben.

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Scheinbar habe ich etwas gelernt. Wenn es auch noch ausbaufähig ist.

Früher hätte ich keinen Tag Ruhe ausgehalten. Immer musste irgendetwas nebenher laufen. Heute kann ich diese erzwungene Alltagspause gut hinnehmen.

Nur zu gut kann ich das Gefühl abrufen, welches immer aufkam, wenn ich etwas absagen musste. Ich verpasse etwas. Ich enttäusche jemanden. Ich muss dort hin.

So ein Unsinn. Ich verpasse eine Erfahrung, das ist wahr. Allerdings frage ich mich jetzt: wie aufmerksam kannst du diese Erfahrung denn wahrnehmen? Hustend, niesend, brummenden Kopfes. Das bringt mir – und auch sonst keinem- etwas. Deshalb enttäusche ich auch niemanden. Jeder war schon einmal in der Situation, der körperlichen Schwächen wegen, etwas nicht erledigen zu können. Der einzige Ort, der folglich besucht werden muss, ist das Bett.

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Man möchte immer genau das machen, was gerade nicht geht.

Wie oft habe ich mich schon zurück in mein Bett gewünscht, wenn der ganze Tag randvoll gepackt war und scheinbar nicht enden wollte? Tja, nun bin ich in der erträumten Situation – und ich hasse es.

Ich möchte raus, ich möchte Sonnenstrahlen auf meiner Haut spüren, ich möchte mit meinem Hund so weit laufen, wie ich kann. Aber momentan bleiben mir nur Bilder und die Freude auf die baldige Genesung und den darauf folgenden ersten Lauf in der Sonne.

Beim durchstöbern meines Handys stellte ich fest, wie wenig ich das alles eigentlich schätze. Ich kann mich bewegen. Ich kann alles riechen, schmecken, fühlen, sehen!

Meine Augen sind offen, ich bin trotzdem blind.

Mein unfreiwilliger Time-Out hat mir die Augen ein Stück weit geöffnet.  Ich hab so viele schöne Dinge täglich vor der Nase. Dafür möchte ich dankbar sein. Ich meine, Hey, ich fotografiere, weil´s hübsch ist, aber halte nicht inne, um diesen Anblick in mich aufzunehmen. Auch ein verrückter Nebeneffekt der neuen, medialen Welt.

Ich nehme mir also vor, mich zu bessern. Als Kind habe ich doch auch kein Foto von einem schönen Stein gemacht, warum auch? Ich habe ihn mir angesehen, eingeprägt und sogar mitgenommen, wenn ich ihn noch länger betrachten wollte.

Fotos sind großartig und ich werde weiterhin welche aufnehmen, nur nicht mehr ganz so oberflächlich mit meinen Motiven umspringen.

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Jetzt heißt es aber erstmal weiterhin: Füße stillhalten,  abwarten, gesund werden.

Und danach nicht mehr ganz so blind durch die Gegend laufen. Mal wieder Kleinigkeiten entdecken. 

Genießt das Sommer-Wetter für mich mit 🙂

Ich bin bald wieder am Start,

Laura ♥