Durch Berlin tanzen

Jenni kenne ich schon ewig. Mit ihr habe ich damals sehr denkwĂŒrdige NĂ€chte verlebt, denn wir waren immer die letzten auf den Partys. 
Und das wollten  wir wiederholen. Nur eben im großen Stil.

Wir fuhren also frĂŒh nach Berlin. 

Der Busfahrer war nörgelig  und unverstĂ€ndlich, hatte einen Humor, der so schwarz war, wie sein riesiges Lenkrad, welches er betont gern dann nach links riss, wenn Pkws ĂŒberholen wollten.

Wir kamen unverdrossen und unversehrt an und stĂŒrzten uns ins Leben.

Berlin fĂŒhlt sich ganz anders an, als Dresden. Die Stadt pulsiert, quillt fast ĂŒber vor Individuen und Lebensjongleuren und verströmt den Charme einer Abrissbirne.  Nicht so richtig schön, aber eben ziemlich heftig und prĂ€sent.

Wir fuhren mit dem hauptsĂ€chlichen Ziel in die Hauptstadt, Harry Potter in concert zu sehen und Groupie – mĂ€ĂŸig auszurasten, sobald der erste Darsteller ĂŒber die Leinwand huscht.

Der Weg  zur WaldbĂŒhne wurde uns erleichtert, denn ein Rikscha-Fahrer sammelte uns ein. Was fĂŒr eine super niedliche Reisemöglichkeit.

Harry Potter war zauberhaft.

Wir waren hin und weg von dem tollen Orchester und dem Publikum.

Es gab auch genĂŒgend Verpflegung vor Ort. Ich habe den zweiten Crepe meines Lebens gegessen und fand ihn wieder nicht so berauschend.

Nach der Show zog sich eine Stille durch die Nacht, wie ich sie seit Stunden nicht gewohnt war. Die U-Bahn bewegte sich schnell und schwer, keiner sprach großartig viel.  

Überhaupt bin ich wohl noch nie so viel U-Bahn gefahren, wie dort.

Angekommen am Alexanderplatz, gerieten wir mitten in ein exzessives Straßenfest, welches aus GetrĂ€nkebĂŒdchen, BĂ€nken, massenhaft Menschen und einem DJ -Pult zusammengesetzt wurde. Um das Pult herum, tanzten die Berliner.

SpÀter wurde ein richtiges Battle daraus.

Man muss das einfach irgendwie mögen. Ein cooles Miteinander, harmonisch und doch im Detail so unterschiedlich.

Wir wurden schnell angesprochen, beratschlagen mit unseren neuen Wegbegleitern, wo es uns hintreiben sollte und zogen schließlich los.
In der U-Bahn- Station hörten wir unglaublich laut Musik. Ich hatte oft Angst, dass es Ärger geben könnte. Bin da doch recht regelkonform.

Stattdessen tanzten die Menschen.

Fremde tanzten mit Fremden und waren in diesem Moment nicht die Österreicher, Afghanen, Berliner, Dresdner und was sonst noch,- wir waren einfach Menschen, die ausgelassen durch die Nacht tanzten, wĂ€hrend ZĂŒge in den Bahnhof einfuhren oder zur nĂ€chsten Haltestelle aufbrachen. Wahnsinn.

Danach feierten wir ausgelassen um Club, liefen mĂŒde durch Berlin und beobachteten die Stadt beim Aufwachen.

Ganz friedlich schlummerte sie da, rechts ein Obdachloser, der spĂ€te Party – GĂ€ste nach ein paar Euro fragte , Links ein paar Drogendealer, sonst aber recht ruhig.

Wir frĂŒhstĂŒckten im Radisson Hotel und warteten erschöpft auf unseren Bus. 

Vierundzwanzig Stunden Berlin.

Wir kommen wieder ❀