Große Augen hinter Gittern

Ihr erinnert Euch möglicherweise an den Beitrag WIR WERDEN GEBRAUCHT- TIERHEIM. Ich hatte bereits angekündigt, dass ich eine größere Hilfsaktion vorhabe – und ja, die habe ich wahr gemacht. Ich habe dem Tierheim Meißen Ende 2017 einen Besuch abgestattet. Und hier erzähle ich Euch, was ich sehen und hören durfte. Ich warne vor: es wird ziemlich emotional. 


Hier die HÖRBUCHVERSION (mit der Bitte, trotzdem durch die Bilder zu scrollen und gut zuzuhören.) 

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Der ausgemachte Besuchstermin fiel auf den ersten Dezembertag. Es war kalt, ich aufgeregt und meine Fragen warteten darauf, gestellt zu werden. Ich hatte eine Art Interview vorbereitet, um nichts unausgesprochen zu lassen – und vor allem: nichts zu vergessen. An einem Tisch saßen schließlich meine Fotografin Mia, Heidi vom Tierheim und ich (quasi als Journalistin unterwegs). DSC_4452

Besonders positiv muss ich gleich erwähnen: alle meine Fragen wurden beantwortet. Nichts wurde beschönigt. Das ist real. Hier ist sich keiner zu schade, anzupacken.

Im Moment werden im Tierheim Meißen weit über 100 Tiere beherbergt. Etwa 50 Hunde, 70 Katzen und etliche Reptilien, Nager, Schafe, Vögel und andere Notfellchen warten auf ein Zuhause.

Zurzeit arbeiten sechs Tierpfleger , eine Helferin, eine (eigens für´s Tierheim zuständige!) Tierärztin und drei Hausmeister fleißig für das Wohl der Tiere. Zu tun ist einiges, wie uns Heidi verrät: zwischen all dem Bürokram, dem Saubermachen, dem Beschäftigen und Desensibilisieren der Tiere (besonders jene, die geringe Vermittlungschancen haben), Vermittlungen und Kunden- Gesprächen bleibt kaum Zeit für Pausen oder Durchatmen. Der Beruf schlaucht. Und muss mehr sein, als ein Beruf. Wer hier gern arbeitet, hat seine Berufung gefunden. Ich bin total geflasht von so viel Herzblut.

Diese Tierschutz-Engel haben wir kennengelernt:

Heidi ist seit 2002 in Meißen dabei, hat selbst drei Hunde, zwei Katzen, fünf Enten und acht Hühner zu Hause. Ihre Tierpfleger-Ausbildung hat die Spezialisierung „Pension“. Neben Tieren liebt sie gute Musik und Konzerte.

katzenfrau
Jacqueline gehört seit 2014 zum Team. Neben ihrer Familie sind ihr Katzen ihre liebste Beschäftigung. Damit ist sie im Katzenhaus genau richtig.
pflegerin
Anne ist seit 2008 fester Bestandteil des Tierschutzzentrums und bildet hier aus. Sie hat zwei Katzen und einen Hund aus dem Tierschutz aufgenommen und hört gern gute Musik, am liebsten live.

 

tierärztin (3)
Tierärztin Frau Hand sorgt seit 2010 für das Wohl der herrenlosen Tiere in Meißen. Sie reist gern – Hauptsache weit weg. Zum Beispiel nach Malaysia.

Wir durften uns das gesamte Areal ansehen. Gleich am Anfang verliebte sich meine Fotografin in einen wunderschönen Podenco, der durch die Gitter vergeblich Streicheleinheiten suchte. Sie sprach noch die ganze Autofahrt von „Angelo“.HUND 3Gleich nach dem Öffnen der Tür zum Katzenhaus wurde mir erst klar, wie viel hier noch gebraucht wird. Es gibt so unglaublich viele Katzen dort. Die Pfleger geben ihr bestes, um ihnen eine angenehme Umgebung zu bieten – und trotzdem wird das niemals an einen Platz auf dem Sofa oder dem eigenen Katzenbaum herankommen. Man muss das wirklich gesehen haben, um das zu verstehen. So viele große, ängstliche Augen. So viele junge Kätzchen. Alte. Wilde. Kranke. Welche, deren Vermittlung gar kein Problem darstellen sollte, weil sie so wunderschön und unkompliziert sind und solche, deren Leben wohl im Tierheim enden wird, weil sie augenscheinlich niemand haben will.

Viele traurige Geschichten warten hier auf ein Happy End. In der Krankenstation habe ich besonders oft schlucken müssen. Es fällt schwer, an das Gute im Menschen zu glauben, wenn man so viel -menschlich verursachtes- Tierleid  sieht. Aber genau dafür waren wir da. An einem Ort, der von Tierliebhabern errichtet wurde, um zu helfen.

DSC_4516Wir durften diesem süßen Mäuschen eine Identität geben. Fotografin Mia ersann den Namen „Reyna“. Mir gefiel das auf Anhieb, denn „Reyna“ klingt nach Kraft und Stärke. Wie eine Kämpferin – und genau das muss die frisch Getaufte jetzt sein, um gesund zu werden.

Ich fragte nach dem größten Wunsch der Mitarbeiter. Schließlich stand Weihnachten und der Jahreswechsel vor der Tür. Alle waren sich einig:

Die Menschen müssen verstehen lernen, dass Tiere keine Geschenke sind. Sie gehören nicht unter den Baum. Wir wünschen uns natürlich, dass viel mehr Tiere adoptiert werden und zu den richtigen Menschen kommen. Außerdem hoffen wir auf  bessere Vorbereitung. Wer sich ein Tier anschaffen möchte, sollte sich ernsthafte Gedanken dazu machen und sich mit der artgerechten Haltung befassen. Mehr Aufklärung wäre einfach wichtig.

Im Kleintier-Bereich war ich wirklich überrascht, welche Artenvielfalt der Tierschutz Meißen versorgt. Igel, Vögel, Ratten, Mäuse, Meerschweinchen, Häschen, Reptilien, Schildkröten, Schlangen. Es gibt ja sogar Schafe. Wie schön es wäre, wenn Eltern mit ihren Kindern keine Zoohandlung, sondern ein Tierheim für die Wahl des Haustieres wählen würden. Ich weiß noch genau, wie sehr ich meine Kaninchen liebte. Und ich hätte auch eines genommen, dass kein Baby mehr ist. Ich wollte einen Spielgefährten, der immer zu Hause auf mich wartet, wenn ich von der Schule kam. Was ist an einem „second Hand“- Meerschweinchen denn weniger entzückend? Oder würde der Eidechsen-Fan sich nicht über ein Exemplar aus dem Tierheim freuen, nur, weil dieser schon einmal ein Terrarium hatte?

Wir alle können helfen. Indem wir nachdenken, aufklären und mit Herz und Verstand handeln. Weg von der Zucht, hin zum „Notfell“. Wer unbedingt einen Welpen möchte, wird ihn auch im Tierheim finden. Gassi-Partner helfen den Heimen ungemein. Wenn jemand gern einen Hund hätte, aber keine Zeit hat, ist das der beste Weg für beide Seiten. Der Hund bekommt Auslauf, so oft derjenige kommen kann. Und der Vielbeschäftigte kann sich die Zeit einteilen. Pflegestellen fehlen massiv. Wer vorübergehend einen Hund / eine Katze aufnehmen kann, sollte sich unbedingt beim Tierheim melden. Die Tiere lernen dort den Alltag und sind viel leichter zu vermitteln. Patenschaften und monatliche Spenden helfen ebenso. Außerdem – und das hat mich staunen lassen- Leute, die kommen und sich einfach zu den Tieren setzen. Die wilden Katzen zum Beispiel würden sich über Besuch freuen. Und irgendwann lassen sie sich streicheln, fassen Vertrauen und können vermittelt werden. Ich dachte spontan an Senioren-Gruppen. (Die Idee muss ich noch weiter verfolgen. Vielleicht findet sich ein Altersheim, welches kleine Ausflüge machen möchte.)

Der Hunde-Bereich war für mich -als liebende Hundemama- der härteste Gang. Viele schmiegten sich durch die Gitterstäbe an Pflegerin Heidis Hände und suchten gezielt Aufmerksamkeit. Die meisten bellten aufgeregt, manche verkrochen sich sofort. Ganz unterschiedliche Charaktere, wenig Platz und alle vereint der Wunsch nach einem warmen Körbchen im eigenen zu Hause.ich (10)Die älteren Hunde eroberten im Sturm mein Herz. Sie zitterten und waren so besonders, wie Omis und Opis nun mal sind. Nur will sie keiner. Wer holt sich schon einen Hund, der höchstens noch zwei Jahre erleben wird? Ich würde so gern einem alten Hund ein zu Hause schenken. Ihm die letzten Jahre so schön wie möglich machen. Leider ist meine Hündin noch nicht so weit.

Noch keine Erfahrung im Halten von Tieren? Im Tierheim Meißen kein Problem, denn sie haben Schulungsräumlichkeiten. Dort bringt vor allem Pierre, der Hundetrainer, Neu-Besitzern alles bei. Das ist auch wichtig, denn ein Tierheim-Hund weist meistens Besonderheiten auf. Mit dem entsprechenden Training mit Pierre, Geduld, Zeit und Liebe werden der „Second-Hand“ Hund und die „Second-Hand“-Katze aber treue Begleiter. Sie werden ihr Leben lang dankbar sein.

Warum nun aber Meißen?csm_meissentierschutzzentrum-_c_aktiontier_026a39db85Ich komme aus Dresden, wie die meisten, meiner Freunde und Follower. Warum dann keine Spenden-Aktion für das stadteigene Tierheim? Da bin ich ehrlich, Leute: bei meinem Anruf und auch jeder folgenden Mail wurde mir wenig Interesse entgegengebracht und es wurde deutlich, dass dieses Tierheim genügend Unterstützung von der Stadt bekommt. Das ist ja auch schön, nur möchte ich gern da helfen, wo es dringend gebraucht wird.

Ich habe Heidi gefragt: Was macht euch besonders? Sie gab mir einen großen Stapel Informationsbroschüren über den Tierschutz, artgerechte Haltung verschiedener Spezies und Hundetraining in die Hand. Sie sagte, ihnen wäre es sehr wichtig, die Menschen mit Interesse am Tier umfassend zu informieren. Außerdem sei das Vermittlungsprozedere deutlich intensiver, als anderswo. Der Hundetrainer, der mit dem Tierschutz zusammenarbeitet, ist ebenfalls eine Besonderheit. Sie erzählte mir, dass den Interessenten nichts verschwiegen würde. Sie bekämen die ungeschminkte Wahrheit zur Vorgeschichte und zum Gesundheitszustand ihres neuen Mitbewohners. Die Nachsorge spielt hier eine große Rolle. Es werden Besuchstermine gemacht. Ganz überraschend, das wird von Anfang an besprochen. Denn hier steht das Wohl des Tieres im Mittelpunkt. Eine eigene Tierärztin vor Ort hat auch kaum ein Tierheim. Und (mein Highlight) es gibt in der gesamten Weihnachtszeit einen Vermittlungsstopp. Das nenne ich mal verantwortungsvoll. Wahrscheinlich würden in dieser Zeit deutlich mehr Tiere abgeholt werden – allerdings können überlegte Menschen auch warten, bis Weihnachten vorbei ist- und sind dann nicht plötzlich überfordert, weil die Anschaffung eben doch nur eine fixe Idee war.


Ich stehe voll und ganz hinter meiner Entscheidung für diese Einrichtung. Ich bestätige alles, was Heidi über die Einzigartigkeit dieses Tierschutzes berichten konnte. Meinen Goldschatz habe ich nämlich auch von dort. 19598707_1375851215785099_7968260913344477024_nVor 2 Jahren zog meine Hündin „Kiara“ zu mir. Wir haben noch einiges zu lernen, aber gemeinsam mit dem Hundepsychologen schaffen wir alles. Sie ist die beste Entscheidung meines Lebens und bereitet allen, die sie kennen, so viel Freude.

(Wenn ihr später dazu etwas lesen wollt: „Nein, wir beißen nicht in diese Hummel“ )


Und jetzt das Wichtigste:
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Ich hoffe, ich kann auf viele von euch zählen. ♥♥♥Ich will Tier helfenEinfach drauf klicken ⇑ und schauen, 
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